Lernspezifischer Fokus

Abgesehen von vielen Sport-typischen Verbesserungen wird es seit einigen Jahren deutlich, dass Bewegung die kognitive Leistung erhöht. Beispielsweise zeigten Ratey, John J. (et. al., 2009), dass eine kurze Pause mit sportlicher Aktivität die Mathematik-Leistung um 20% verbesserte im Gegensatz zur Kontrollgruppe. Dies geschieht durch die Ausschüttung von BDNF im Gehirn, ein Stoff, der dazu beiträgt, die neuronalen Netzwerke zu bilden, wenn wir etwas Neues lernen (Thomas, Dennis, Bandettini & Johansen-Berg, 2012). Folgende Resultate sind beispielhaft für die Forschung des bewegten Lernens:

  • 7% Verbesserung im Fach „Lesen und Verstehen“ (Ratey, 2013)
  • 20% Verbesserung im mathematischen Test nach kurzer sportlicher Pause (Ratey & Hagerman, 2009)
  • deutlicher Zusammenhang zwischen den exekutiven Funktionen und der mathematischen Leistung (Davis et. al, 2011 - siehe Graph)

Beispielhaft sind auch die Forschungsergebnisse, die Åberg et. al 2009 veröffentlichten. Mit 1,2 Millionen Teilnehmern sind diese Studien nicht nur sehr umfassend, sie sind eine der wenigen Studien, die die Wirkung sozialer und genetischer Komponente genau beschreiben können.

Åberg et. al zeigen einen deutlichen Zusammenhang bei den rund 225.000 durch einen Stanine-Test Getesteten zwischen der körperlichen Form und der Intelligenz. Hier folgende Ergebnisse:

  • Die physisch besten 10 % liegen bei 5,5-6 Punkten.
  • Die physisch schwächsten 10 % liegen bei 4,5-5 Punkten.
  • Die restlichen 80% verteilen sich auf 5-5,5 Punkten.
Lerngraf

Gesundheitlicher Fokus

Die positiven Auswirkungen von Sport und Bewegung sind bekannt. Wir wollen deshalb auf die positiven Eigenschaften von Bewegung im Schulalltag fokussieren.

Das Svendborg-Projekt

In einer der größten und aktuellsten Schulsportuntersuchungen in Svendborg, Dänemark, nahmen 1.200 Schüler/innen teil. Diese erhielten vier zusätzliche Stunden Sport die Woche (entspricht 4,5 min. pro Schulstunde bei 8 Schulstunden am Tag). Das Ergebnis:

  • 45% vermindertes Risiko für Typ-II Diabetes
  • besseres körperliches Leistungsvermögen
  • weniger Kinder, die an Adipositas leiden
  • dadurch weniger Überlastungsschäden
  • gesenktes Risiko, Rückenprobleme zu erleiden

Konzept "Bewegte Schule"

Das Konzept "Bewegte Schule" des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft in Schleswig Holstein unter der Leitung von Prof. Dr. Christina Müller erkennt, dass die zusätzliche Bewegung zwar die Kondition nicht beeinflusst, dass jedoch "...mehr Bewegungssicherheit ein wirksames Mittel der Unfallverhütung" sei. Prof. Dr. Müller schreibt, dass Bewegung im Unterricht "positive Wirkungen auf die Entwicklung koordinativer Fähigkeiten" habe (Jahrgang 1-4), ebenso wie Bewegung im Unterricht bei Versuchsschülern eine positive Auswirkung auf die koordinativen Fähigkeiten zeige (Jahrgang 5-9).

Ein anderer präventiver Erfolg ist, dass: "Die typische Zunahme der bewegungsärmeren Freizeitgestaltung mit wachsendem Alter bei den Projektschülern weniger auffällig ist."

Fazit

Mehr Bewegung in Schulen hat somit einen positiven gesundheitlichen Effekt auf drei Ebenen:

Präventive Wirkung

Durch die Wahl einer aktiveren Freizeit wachsen die Schüler mit mehr Bewegung im Alltag auf, auch außerhalb der Schule.

Situative Wirkung:

Durch verbesserte koordinative Fähigkeiten und mehr Bewegungssicherheit wird Unfällen, wie z.B. sporttypischne Verletzungen vorgebeugt.

Prophylaktische Wirkung

Das erhöhte Aktivitätsniveau hat den Effekt, dass

  • weniger Schüler an Adipositas leiden.
  • das Risiko für Typ-II Diabetes sowie Rückenleiden gesenkt wird.
 

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Wenn wir die teilnehmenden Lehrkräfte fortbilden, legen wir fünf übergeordnerte Leitgedanken zugrunde:
Sinnvolle Bewegung, strukturierte Reflexion, Integration, Identifikation und sichtbare Lernziele sind in all unseren Aktivitäten vorhanden. Es besteht also ein Zusammenhang zwischen dem, was wir lehren wollen, und den Methoden, die wir selbst anwenden.

In Dänemark haben wir großen Erfolg damit. Wir erleben, dass die Lehrkräfte sich mit dem Unterrichtsinhalt identifizieren können, wenn sie es am eigenen Körper erlebt haben. Ein gutes Beispiel dafür ist Jesper:

"Ich konnte die Photosynthese-Gleichung noch nie. Wenn ich als Vertretung in dem Thema unterrichtet habe, musste ich es mir immer vorher anlesen. Jetzt könnt ihr mich im Schlaf wecken, ich bin sicher, ich könnte es euch aufsagen!“ .
- Jesper, Lehrkraft Otterup Skole, nach der Inspirationsaktivität „Photosynthese“

Unsere Leitgedanken kommen nicht von irgendwo her. Sie sind hingegen grundlegende Elemente der Kompetenzentwicklung und Kulturänderung.

Leitgedanken
 

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